"10" - Ein persönlicher Rückblick

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Ich verbrachte den Nachmittag in der Galerie Kompatscher und nahm die Bilder der Ausstellung "10" von der Wand. Dabei gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, Gedanken an die vielen Monate Vorbereitung und an all die vielen Erfahrungen, die ich machen durfte. Es war ein sehr emotionaler Nachmittag für mich.

Ich habe knapp ein Jahr lang an diesem Projekt gearbeitet. Jedes Bild erforderte viel Nachdenken und Planen, viele Fragen musste ich mir beantworten. Was bedeutet das jeweilige Gebot? Was bedeutet es für mich? Was möchte ich dem Betrachter mitteilen? Wie möchte ich das mitteilen? Und wollen die Menschen das überhaupt sehen und hören?

Und dann die praktische Seite: die Größe jedes Bildes, worauf malen, welche Materialien verwenden und all die anderen Detailfragen! Für das Gebot "Du sollst Vater und Mutter ehren" wußte ich, dass ich ein Haus aus Leinwand und Holz bauen wollte, für ein anderes beschloss ich,  Fäden und Stickereien zu verwenden; beides Neuland für mich, das einen Lernprozess erforderte. Als Künstler hast du eine Vision, wie dein Werk aussehen soll, aber um dorthin zu gelangen, musst du Grenzen überschreiten und Neues erkunden. Aber ich freue mich über jede Herausforderung und nehme sie dankbar an. Dadurch lerne ich und wachse und entwickle mich als Künstlerin weiter.

Nachdem alle Bilder fertig waren, überkamen mich die Zweifel und die Ängste. Wollen das die Leute überhaupt sehen? Können sie meine Botschaften verstehen bzw. erkennen? Bin ich bereit, mich der Kritik zu stellen und möglicherweise in der Luft zerrissen zu werden?

Nun, die Sorgen waren überflüssig! Denn was passierte übertraf all meine kühnsten Erwartungen. "10" wurde zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen in Brixen mit über 600 Besuchern. Sie kamen von überall her, Junge und Alte von verschiedener Herkunft und Stand. Die meisten Besucher nahmen sich lange Zeit, um jedes Bild zu betrachten. Manche wurde dabei sehr emotional, hatten Tränen in den Augen. Mit anderen führte ich lange Diskussionen über Werte, Kunst, Kultur, Politik und die Welt.

Ich konnte Menschen inspirieren. Eine Besucherin wollte das Thema "Werte" zu Weihnachten  bei der Familienfeier auf den Tisch bringen. Künstler schauten vorbei, sprachen mit mir über meinen Stil und Technik und einige fühlten sich inspiriert und erwogen, dieses Thema mit ihren Mitteln anzugehen. Lehrer kamen vorbei und nahmen sich vor, über den Umweg Kunst mit ihren Schülern über Ethik und Moral diskutieren zu wollen. Ich ging abends immer ganz überwältigt heim. 

Daher möchte ich abschließend euch allen für eure Unterstützung, für all die ermutigenden Worte und Ermunterungen, für eure Liebe und Freundschaft danken. Und dafür, dass ihr eure Herzen geöffnet habt und meiner Kunst zugehört habt.